15. April 2021

Thumling Nr. 13, Lindenhof

Der Lindenhof, Thumling Nr. 13, existiert als Bauernhof nicht mehr.
In den Grundbüchern von 1628 bis 1806 war dieser Bauernhof beim Amt Ulrichschlag, danach gehörte er zum Ort Thumling und lag am Weg zwischen Oberthumling und Walpersdorf in Richtung Martinsberg (L7202).

Der Lindenhof war der größte Bauernhof des Ortes, dies zeigen auch die jährlich an die Grundherrschaft zu leistenden Abgaben und Steuern zwischen 1628 und 1848 (siehe Ortschronik). In der Theresianischen Fassion von 1751 wurde das Haus, ein Zinszimmer, sowie dazugehörige Äcker, Wiesen und Wald auf einen Wert von 242 Gulden geschätzt, Haus-Gewerb „ein Bauer“ (Hft. St: Martinsberg, Grundbuch Fol. 167v, An dem Lindtenhoff, Ullrichschlager Ambts, Leopold Schuester, Fol. 280-281).

Im 1. Taufbuch der Pfarre Pöggstall fand ich den Lindenhof am 05. Mai 1630 erstmals erwähnt, bei der Taufe von Sophia Leittner, Parens Jacob Leittner auf dem Lindtenhoff et Fronica vxor.

Taufbuch Pöggstall 01/01, 1628-1642, fol. 30

Lindenhoff (Lindenhof)

Von einem Pauernhoff mit
13 Tagwk ackher, 8 Tagwk. wisen
und 2 Tagwk. Holzstatt, auch
ein Kraut vnd Lürdergartl.
Dient jährl. Michaelis 26 Kreuzer 2 Pfennige
Ochsen und Käßgeld 16 Kreuzer
Landtsteuer 3 Gulden

(in Summe) 3 Gulden 42 Kreuzer 2 Pfennige

KG Krems 085/02, 1741–1762, Grundbuch Hft. Gutenbrunn, Fol. 167v

Grundbesitzer im Überblick:
16.. – 1636Leüttner Jacob Veronica uxor [lutherisch]; [Veronica ca. 1652 abgewandert]
1636 – 1653Kräperger Paull Gertrauth vxor [lutherisch, neubekehrt]; [Paul ca. 1653 abgewandert]
1653 – 1671Lüdl Michael Barbara
1671 – 1685Lidel Geörg Rosina uxor (durch Kauf, 30. November 1671)
1685 – 1701Leüthner Michael Rosina uxor., verw. Lidl (durch Inventur, 23. Oktober 1686 und Heirat)
1701 – 1725Leüthner Michael Susanna ux., geb. Weinhart (durch Heirat)
1725 Leüthner Susanna, Wittib (durch Inventur, 29. Jänner 1725)
1725 – 1729Schuester Leopold Susanna uxor, verw. Leitner (durch Heirat)
1729 – 1755Schuester Leopold Sara uxor, geb. Kloibenwider (durch Inventur, 1. Juni 1729 und Heirat)
1755 – 1789Schuster Michael Theresia uxor., geb. Rabel (durch Kauf, 1755)
1789 – 1810Schuster Johann Anna Maria ux., geb. Hirsch (durch Kauf, 18. März 1789)
1810Schuster Anna Maria, Wittib (durch Inventur, 14. Mai 1810)
1810 – 1830Leonhartsberger Georg und Anna Maria, verw. Schuster (durch Heirat)
1830 – 1873Schuster Johann und Walburga, geb. Hackl (durch Kauf, 25. Juni 1830)
1873 – 1874Schuster Walburga, Witwe (durch Einantwortung, 9. Oktober 1873)
1874 – 1905Kraus Anton und Josefa, geb. Mayer (durch Kauf, 13. Juni 1874)
1905 – 1911Kraus Josefa, Witwe (durch Einantwortung, 25. Mai 1905)
24. Oktober 1910Familie Rumpold (durch Kauf)
23. Februar 1995Rumpold Gernot (7/12 durch Kauf)
27. März 2002Rumpold Judith (5/12 durch Einantwortung)
Quellen NÖLABG Zwettl und bev.gv.at:
KG Krems 173/013, 1628 – 1683, Grundbuch Hft. Pöggstall, Fol. 500v
KG Krems 173/014, 1681 – 1711, Grundbuch Hft. Pöggstall, Fol.504
KG Krems 085/01, 1710–1740, Grundbuch Hft. Gutenbrunn, Fol. 82v „Lindenhoff“
KG Krems 085/02, 1741–1762, Grundbuch Hft. Gutenbrunn, Fol. 167v „Lindenhoff“
KG Krems 085/03, 1763–1806, Grundbuch Hft. Gutenbrunn, Fol. 91v „Lindenhoff“
BG Ottenschlag 05/01, Grundbuch Hft. Martinsberg, 1807–1880, Fol. 207; EZ 11, Nr. 15 „Lindenhof“
BG Zwettl, Grundbuch Thumling, 1884 – 1990, fol. 363/11; EZ 11, KG Thumling, GB Ottenschlag, Haus Nr. 13 /: Gutenbrunn 207 :/; Katastralzahl 15
BG Zwettl, Auszug aus dem Hauptbuch, KG Thumling, EZ 11, Grundstücksnr. 15 (14.11.2020)
Anm.: Namensschreibweisen lt. Grundbücher, Familienname der Ehefrau kursiv, da nicht angeführt
Leüttner Jacob und Veronica

Jacob und Veronica Leüttner (Leitner) scheinen im Grundbuch 1628-1683 als erste Besitzer auf, an Abgaben waren gesamt 5 Gulden 20 Kreuzer zu leisten. Am 05. Mai 1630 wurde deren Tochter Sophia Leüttner (Leitner) getauft: „Parens Jacob Leittner auf dem Lindtenhoff et Fronica vxor. Die Familie war von Lutherischem Glauben.
Jacob Leitner starb vermutlich vor 1634, seine Witwe Veronica Leitner verkaufte um 1636 an

Kräperger Paull und Gertrauth

Paull und Gertrauth Kräperger (Kräberger) von Weinling. Paul und Gertrauth Kräberger waren ebenfalls von Lutherischem Glauben und wurden 1652 neubekehrt. Gertrauth dürfte vor 1653 noch am Lindenhof verstorben sein, denn Paul Kräberger wanderte ohne sie im Jahr 1653 nach Franken (Thurnhof) ab und starb am 13. März 1658 auch dort [1].

Lüdl Michael und Barbara

Michael und Barbara Lüdl (Lidl) haben vmtl. um 1653 den Lindtenhoff übernommen.
Die beiden verkauften ihre aigenthumblich in gehobte Behausung den Lindtenhoff genant an Michaels Bruder und dessen Ehewirthin

Lidel Geörg und Rosina

Geörg und Rosina Lidel (Lidl) am 30. November 1671 um 90 Gulden (NÖLA, Hft. Pöggstall, KG Krems 173/64, 1664-1672, Kaufprotokoll, fol. 280v). 
Geörg Lidl starb im Jahr 1685, sein Inventurvertrag wurde lange nach seinem Ableben am 23. Oktober 1686 gemacht (NÖLA, Hft. Pöggstall, KG Krems 173/085, 1664–1691, Inventurprotokoll, fol. 369). Seine Witwe Rosina Lidl am Lindenhoff hatte bereits

Leüthner Michael und Rosina verw. Lidel

Michael Leüthner (Leitner) von Oberthumling Nr. 3 am 20. November 1685 in der Pfarre Martinsberg geheiratet, er wurde ins Grundbuch eingetragen.
Rosina Leitner starb 71 jährig am 13. Juni 1701 und ihr Witwer Michael Leitner vom Lintenhoff heiratete

Leüthner Michael, Wittiber und Susanna geb. Weinhart

Susanna Weinhart von Hundsbach am 20. November 1701 in der Pfarre Martinsberg. Michael Leitner starb 73 jährig am 16. Jänner 1725, in seiner Inventur wurde der Lindenhoff auf 300 Gulden geschätzt (NÖLA, Hft. Pöggstall, KG Krems 173/087, 1720–1726, Inventurprotokoll, fol. 280v) und seiner Witwe Susanna Leitner

Leüthner Susanna, Wittib

wurde das Eigentum am 29. Jänner 1725 zugesprochen. Die Witwe Susanna Leitner vom Lindtnhoff heiratete

Schuester Leopold und Susanna verw. Leüthner

Leopold Schuester (Schuster), geboren am 18. August 1694 am Gmainhof (in der Gmain), am 5. Mai 1725 in der Pfarre Martinsberg.
Susanna Schusterin starb 55 jährig am 31. März 1729, in ihrer Inventur vom 1. Juni 1729 wurde der Lindtenhoff auf 300 Gulden geschätzt (NÖLA, Hft. Pöggstall, KG Krems 173/088, 1727–1735, Inventurprotokoll, fol. 87) und dem Witwer Leopold Schuster einverleibt. Am 3. Juli 1729 heiratete der Wittiber Leopold Schuster

Schuester Leopold, Wittiber und Sara geb. Kloibenwider

Sara Kloibenwider von Pöggstall in der Pfarre Martinsberg. Leopold Schuster starb am 3. Jänner 1753, der Lindenhof und dazugehörige Tagwerke wurden auf 290 Gulden geschätzt, sein Nettovermögen betrug 215 Gulden 40 Kreuzer (NÖLA, Hft. Pöggstall, KG Krems 173/090, 1742–1756, Inventurprotokoll, fol. 419).
Seine Witwe Sara Schuster heiratete am 29. Jänner 1760 den Witwer Andreas Muettenthaller (Müttenthaler) von Unterthumling Nr. 8.
Im Jahr 1755 kaufte der Sohn von Leopold und Sara Schuster und dessen Ehefrau

Schuster Michael und Theresia geb. Rabel

Michael und Theresia Schuster den Lindenhoff um 250 Gulden lt. Grundbuch 1741–1762, ein Kaufprotokoll fehlt.
Michael, geboren am 4. Juli 1730, heiratete Theresia Rabel, eine Weberstochter von Martinsberg, am 23. September 1755 in der Pfarre Martinsberg. Michael Schuster, Bauer am Lindenhoff, starb am 1. Februar 1789 an der Wassersucht in (Thumling) Nr. 25.
Der Lindenhof wurde am 18. März 1789 bei seiner Inventur auf 500 Gulden geschätzt (NÖLA, Hft. Pöggstall, KG Krems 173/094 1783–1792, Inventurprotokoll, fol. 211).
Theresia Schuster starb 86 jährig am Schlagfluss am 28. Juni 1810 in (Thumling) Lindenhof Nr. 24.
Am Tag von Michaels Inventur, also am 18. März 1789, übergab seine Witwe Theresia Schuster den Lindenhof an den ledigen Sohn

Schuster Johann und Anna Maria

Johann Schuster um 500 Gulden (NÖLA, Hft. Pöggstall, KG Krems 173/071, 1789–1813, Kaufprotokoll, fol. 4v).
Johann Schuster, geboren am 1. Mai 1763, heiratete Anna Maria Hirsch von Streitwiesen am 19. Juni 1789 in der Pfarre Martinsberg. Johann Schuster starb 46 jährig an Nervenfieber (Typhus) am 10. Jänner 1810 (Thumling) Lindenhof Nr. 24.
Seiner Witwe Anna Maria Schuster wurde

Schuster Anna Maria, Wittib

der Lindenhof durch Inventurvertrag am 14. Mai 1810 übertragen, geschätzter Wert 3000 Gulden  (NÖLA, Hft. Gutenbrunn, BG Ottenschlag 05/26, 1804–1810, Inventurprotokoll, Fol. 399v). Die Witwe Anna Maria Schuster heiratete

Leonhartsberger Georg und Anna Maria verw. Schuster

Georg Leonhartsberger, einen Dienstknecht, am 22. Mai 1810 in der Pfarre Martinsberg, durch die Heirat erhielt Georg die Hälfte des Eigentums. Georg Leonhartsberger starb 56 jährig als behauster Bauer am Lindenhof am 22. Jänner 1826 (Thumling) Lindenhof Nr. 25 an Lungenauszehrung, in seiner Inventur wurde der Lindenhof auf 800 Gulden geschätzt (NÖLA, Hft. Gutenbrunn, BG Ottenschlag 05/28, 1824-1837, Inventurprotokoll, Fol. 41).
Anna Maria Leonhartsberger starb am 14. Juni 1849 als „Inwohnerin“ am Lindenhof zu Thumling Nr. 25 an Auflösung der Säfte.
Bereits am 25. Juni 1830 verkaufte die Witwe Anna Maria Leonhartsberger an ihren Sohn aus erster Ehe und dessen Braut

Franziszeischer Kataster 1823, VOMB, 715 Thumling

Parzellennr.: 15 Familienname, Vorname: Leonhartsberger Georg, Beruf: B (B = Bauer), Lindenhof, Hausnr.: 25 (später Nr. 15, dann Nr. 13)

Quelle: NÖLA, Franziszeischer Kataster, Mappen, FK Mappen OM 715
Schuster Johann und Walburga geb. Hackl

Johann Schuster und Walburga Hackl um 1200 Gulden (NÖLA, Hft. Gutenbrunn, BG Ottenschlag 05/16, 1829–1850, Kaufprotokoll, fol. 20v), damit wurde der Lindenhof in 4. (und letzter) Generation weitergegeben.
Johann Schuster, geboren am 6. Mai 1807 am Lindenhof Nr. 25, heiratete Walburga Hackl, eine Bauerntochter von Weidenegg, am 6. Juli 1830 in der Pfarre Martinsberg, die Ehe blieb kinderlos. Johann starb am 9. Februar 1873 an einer Lungenentzündung am Lindenhof Thumling Nr. 24 und seiner Witwe Walburga Schuster

Schuster Walburga, Witwe

wurde aufgrund der Einantwortung vom 9. Oktober 1873 das alleinige Eigentumsrecht am 26. November 1873 einverleibt.
Sie starb 78 jährig am 29. Juni 1884 an Altersschwäche am Lindenhof Nr. 12.
Bereits am 13. Juni 1874 verkaufte sie an den Ziehsohn und dessen Ehefrau

Kraus Anton und Josefa geb. Mayer

Anton und Josefa Kraus, den beiden wurde das Eigentumsrecht je zur Hälfte am 6. Juli 1874 einverleibt.
Anton Kraus, geboren am 12. November 1841 in Mühldorf, war lt. Trauungseintrag „Ziehson des Johann Schuster Besitzer des Lindenhofes zu Thumling“ – er heiratete Josefa Mayer, eine Müllerstochter von Loitzenreith (Maismühle), am 22. Februar 1870 in der Pfarre Martinsberg.
Anton Kraus starb am 5. Jänner 1905 in Thumling Nr. 16 (Lindenhof) und seiner Witwe Josefa Kraus

Kraus Josefa, Witwe

wurde aufgrund der Einantwortung vom 25. Mai 1905 das Eigentumsrecht am 3. Juni 1905 einverleibt.
Im Mai 1933 lebte Josefa Kraus noch als Ausnehmerin in Groß Weissenbach Nr. 37 bei ihrer Tochter Maria.
Josefa Kraus verkaufte den Lindenhof am 24. Oktober 1910 der

Familie Rumpold

Familie Rumpold von Martinsberg, das Eigentumsrecht wurde Franz Rumpold sen. zu einem ½ Anteil, Franz Rumpold jun. zu einem ¼ Anteil und Anna Rumpold zu einem ¼ Anteil am 9. Jänner 1911 einverleibt.

1911 bis heute
  • Seit 1911 im Besitz der Familie Rumpold
  • der Lindenhof existiert mittlerweile nicht mehr, nur mehr die zur Einlagezahl 11 gehörende ehemalige Baufläche mit der Grundstücksnummer .15
Quelle: www.bev.gv.at
Meine familiengeschichtlichen Verbindungen

Leopold Schuster, der Enkelsohn meiner 8-fachen Urgroßeltern Simon und Barbara Schuster,  heiratete die Witwe Susanna Leitner von Lindtnhoff am 5. Mai 1725, der Lindenhof blieb noch weitere 3 Generationen bis 1874 im Familienbesitz – Leopolds Urenkel Johann Schuster starb am 9. Februar 1873 am Lindenhof und seine Witwe Walburga Schuster verkaufte am 13. Juni 1874 an den Ziehsohn Anton Kraus und dessen Frau Josefa. Auch Josefa Kraus geb. Mayer war eine Cousine 6. Grades (dreimal entfernt) von mir, Simon und Barbara Schuster waren die gemeinsamen Vorfahren. 

Anmerkung:
Namensschreibweisen lt. Grund- oder Kirchenbücher, in Klammer die heutige Schreibweise

Hausnummern:
lt. Kirchenbüchern bei den Tauf-, Trauungs- und Sterbeeinträgen
Lindenhof:
lt. Franziszeischer Kataster 1823 Nr. 25
lt. Grundbuch 1807–1880 Nr. 15
lt. Grundbuch 1884 – 1990 Nr. 13

Beitragsbild:
Quelle: KG Krems 173/014, 1681 – 1711, Grundbuch Hft. Pöggstall, Fol.504

Literaturverzeichnis:

[1] Manfred Enzner: Exulanten aus dem südlichen Waldviertel in Franken; Ges. f. Familienforschung in Franken, 2001

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Ingrid Schuster

Im Dezember 2011 habe ich begonnen, meine Familiengeschichte zu erforschen, meine Forschungsergebnisse habe ich seit Anfang 2017 im Internet publiziert.

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7 Gedanken zu “Thumling Nr. 13, Lindenhof

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