21. Oktober 2020

DOČKAL

Die Familie Dočkal ist die mütterliche Stammlinie meiner Großmutter mütterlicherseits.

Ballin, Woslawitz und Groß Meseritsch, Quelle: mapire.eu

Die Vorfahren kamen aus Südmähren und lebten in Groß Meseritsch, Woslawitz und Ballin (heute Velké Meziříčí, Oslavice und Baliny in Tschechien).
Durch meine Dočkal-Vorfahren lernte ich nicht nur Südmähren, sondern auch Ostböhmen kennen. Denn eine meiner Vorfahrinnen stammte aus einer Lehrerfamilie, der Familie Svoboda und Johann Svoboda, der Lehrer in Pischello war, kam ursprünglich aus Krauna in Ostböhmen (heute Krouna, Tschechien).

Namensschreibweise:
Docžkal, Doczkal, Dočkal

VIII. Generation, Ober-Großeltern

Johann Dočkal (geb. ? – vor 1749), mein 6-facher Urgroßvater, lebte um 1713 in Ballin und war Müller. Er war mit Mariana verheiratet. Leider fehlen die Matrikeneinträge in den Kirchenbüchern der Pfarre Groß Meseritsch zwischen August 1708 und Juli 1713, deshalb kam die weitere Forschung ins Stocken. Nach Juli 1713 konnte ich Taufeinträge von sechs Kindern der beiden finden.

VII. Generation, Ober-Eltern

Franz Dočzkal (1725 – 1806), mein 5-facher Urgroßvater, war das fünfte Kind von Johann und Marina Dočzkal, von Beruf Weber und Häusler in Ballin. Er heiratete Rosina Dřapela, Tochter des Georg Dřapela, Bauer in Ballin Nr. 16 und der Anna geb. Votoupal, am 31 Oktober 1751. Die beiden hatten acht gemeinsame Kinder, drei starben vor dem Erwachsenenalter.

VI. Generation, Alt-Urgroßeltern

Sohn Josef Dočkal (1767 – 1847), mein 4-facher Urgroßvater, wurde als fünfes der acht Kinder von Franz und Rosina Dočkal geboren. Er war Inmann in Ballin und in erster Ehe mit Agatha Paul verheiratet, sie verstarb im Kindbett, Tochter Josefa starb 3 Wochen nach der Geburt . Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er Josefa Havlíček, Tochter des Franz Havlíček, Bauer in Ballin Nr. 8 und der Elisabeth geb. Pavlicžek , am 1. November 1795, von den neun gemeinsamen Kindern starben fünf im Kindesalter.
1827 tauschte er sein Kleinhaus Ballin Nr. 15 gegen das Haus Woslawitz Nr. 13 mit Johann Maloušek, sein ältester Sohn Franz übernahm diesen Grund. Josef starb als Ausgedinger in Woslawitz Nr. 13 am 17. Oktober 1847, seine Frau Josefa war bereits 1838 an der Cholera verstorben.

V. Generation, Alt-Großeltern

Der jüngste Sohn Johann Dočkal (1818 – 1866), mein 3-facher Urgroßvater, ging nach Groß Meseritsch, war von Beruf ein Schneider und kaufte das Haus Groß Meseritsch Nr. 201 gemeinsam mit seiner angehenden Frau Aloisia Svoboda, Tochter des Johann Svoboda, Lehrer in Pischello und der Katharina geb. Ottmanský, im Jahr 1846, die beiden haben am 24. Mai 1846 in der Pfarre Pischello geheiratet. Die beiden jüngsten Kinder starben im Alter von einem Jahr, Sohn Franz lebte nach Absolvierung des Militärdienstes bis zu seinem Tod in Groß Meseritsch.

IV. Generation, Alt-Mutter

Die Töchter von Johann und Aloisia Dočkal, Katharina und ihre jüngere Schwester Marie Dočkal (1856 – 1886), meine 2-fache Urgroßmutter, gingen um 1876 nach Wien und arbeiteten als Wäscherin und Dienstmagd.
Marie hatte zwei uneheliche Kinder in Wien zur Welt gebracht, die ältere Tochter Marie, geb. 1881, starb mit 4 Monaten in Groß Meseritsch Nr. 201.
Meine 2-fache Urgroßmutter starb mit nur 29 Jahren an Tuberkulose am 28. März 1886 in Wien.

III. Generation, Urgroßmutter

Meine Urgroßmutter Anna Antonia Dočkal (1884 – 1932) wurde am
29. Juni 1884 in der Gebärklinik Alservorstadt als uneheliche Tochter *) von Marie Dočkal geboren. In ihrem Taufeintrag sind sonst keine weiteren Angaben – aber ich hatte Glück!
Im Wiener Landesarchiv fand ich in den Aufnahmeprotokollen der dritten Gebärklinik der Alservorstadt für das Jahr 1884 unter der Protokollnummer 4426 den Eintrag zu meiner 2-fachen Urgroßmutter Marie Dočkal mit Angaben zu ihrem Geburtsort UND zu ihren Eltern: Groß Meseritsch, Vater Johann D(očkal) +, Mutter Aloisia D(očkal).
Nur deshalb konnte ich diesen Familienzweig weiterverfolgen!
© Familienarchiv Ingrid Schuster

Meine Uroma war knapp 2 Jahre alt als ihre Mutter starb! Von wem und wo sie nach dem frühen Tod ihrer Mutter großgezogen wurde konnte ich noch nicht herausfinden.

Sie war Näherin, Hilfsarbeiterin und später Fürsorgerätin, und eine engagierte Sozialdemokratin, wie aus ihrer Todesanzeige in der Wiener Arbeiterzeitung vom 03. Mai 1932 hervorgeht.
Sie hatte vier uneheliche Kinder, die ersten beiden wurden notgetauft und starben gleich nach der Geburt, ihr viertes Kind, Walter Franz (1910 – 1910), starb mit knapp 2 Monaten, sein Vater war Franz Janko, Buchdruckergeselle in Wien.
Am 13. August 1916 heiratete sie Wenzel Dekanovsky, der gemeinsame Sohn Walter Wenzel Dekanovsky (1915 – 1940) starb im 2. Weltkrieg im Reserve-Lazarett in Aachen (Deutschland).
Meine Uroma ist mit 47 Jahren am 29. April 1932 an einer Schilddrüsenunterversorgung im Wiener AKH gestorben.

© Familienarchiv Ingrid Schuster

II. Generation, Großmutter

Meine Großmutter Hermine Dočkal (Dekanovsky) (1908 – 1995) war das dritte von fünf Kindern meiner Urgroßmutter Anna Antonia und wurde am 12. Juni 1908 unehelich *) in Wien geboren.
Wenzel Děkanovský, Ehemann meiner Urgroßmutter, gab meiner Oma am 08. Januar 1921 seinen Namen (gem. §8 der kaiserlichen Verordnung vom 12. Oktober 1914, RGBl. Nr. 276), sie hatte danach den Namen Hermine Rudolfine Dekanovsky zu führen. Meine Oma wuchs in ihren ersten Lebensjahren zunächst bei Pflegeeltern in Wien, später bei ihrer Mutter auf.

© Familienarchiv Ingrid Schuster

Kurz nach dem ersten Weltkrieg, von April bis Juni 1919, war sie in Stein am Rhein (Kanton Schaffhausen) in der Schweiz bei Pflegeeltern, der Familie Bolhalder.

Durch die „Wienerkinder-Aktion“, die im Herbst 1919 eingeleitet wurde, kam sie nach Hunderup (Ribe Amt), Dänemark, zu Niels Hansen Præstiin & Gyde Marie, geb. Hollænder, ihren Pflegeeltern (Volkszählung 1921, „Vinerbarn“). Sie liebte ihre Pflegeeltern, sprach perfekt Dänisch und wollte für immer bleiben, ihre Pflegeeltern wollten sie adoptieren, ihre Mutter stimmte nicht zu.
Ihre Liebe zu Dänemark ging nie verloren, bis zu ihrer Heirat besuchte sie den Dänischen Klub in Wien.
© Familienarchiv Ingrid Schuster

Kære elskede lille Hermine. (Liebe geliebte kleine Hermine)
Snart maa vi skilles (Bald müssen wir scheiden
)
Det falder saa svært (Es fällt so schwer
)
nȯdig Farvel vi Dig byder (Ungern sagen wir dir Auf Wiedersehen
)
Tak for de Timer, vi sammen var her (Danke für die Stunden, die wir hier zusammen waren
)
ofte i Tiden det fryder. (Oftmals in der Zeit erfreut dies.
)
Nu Du skal rejse (Jetzt musst du abreisen
)
Vi ȯnsker, lev vel! (Wir wünschen, leb wohl!
)
Her vil Du bo i vort Minde (Hier wirst du in unserer Erinnerung wohnen
)
Fremtiden bringe Dig Lykke og Held (Die Zukunft bringe dir Glück und Erfolg,
)
o, gid de bedste Du finde. (und möge das Beste du finden.
)
Din hengivne. (Deine ergebenen
)
Fader og Moder (Vater und Mutter
)
i Danmark, d. 12./8.1925
(In Dänemark, d. 12./8.1925)
aus Poesiealbum, Abschiedsgedicht der dänischen Pflegeeltern

Mein großer Dank an Birgit Ernst, Herbert Leitner u. Tochter (Übersetzung&Transkription des Abschiedsgedichtes) aus der Facebookgruppe Ahnenforschung Wien, 22.12.2019, sowie mein spezieller Dank an die Großcousine von Birgit Ernst in Dänemark, Annette, die in nur 6 Tagen die Namen der Pflegeeltern, deren Geburts- und Sterbedaten und den Aufenthaltsort meiner Omi ausfindig gemacht hat! (28.12.2019)

In Erinnerung ist mir einer ihrer dänischen Sätze geblieben:“askebægeret står på bordet (der Aschenbecher steht auf dem Tisch)

Wann und wo sie meinen Opa Rudolf Pippersteiner kennengelernt hat ist „nicht überliefert“, die beiden heirateten am 18. April 1933 in Wien.

Die Familie lebte in Wiener Neustadt in der Annagasse 5, nach den ersten schweren Bombenangriffen auf Wiener Neustadt sind meine Oma und meine Mama zu den Schwiegereltern bzw. Großeltern nach Jedenspeigen geflohen.

Nach dem Krieg wohnten die beiden dann in Wien.

© Familienarchiv Ingrid Schuster

Meine Oma blieb, nachdem mein Opa lt. Erkenntnis des Kreisgerichtes in Wiener Neustadt 1948 für tot erklärt wurde, Witwe und lebte bis Jänner 1994 in Wien-Innere Stadt in der Wipplingerstraße 24.
Ihre traumhaften Mehlspeisen lieferte sie in halb Wien aus! Und sie war auch „Kindermädchen“ für meinen Bruder und mich bis zur Matura, und bei den Söhnen von Dr. Steger, Hans und Günther.
Sie ist im Alter von 86 Jahren im Pensionistenheim in Gießhübl am 03. März 1995 an Altersschwäche gestorben.

Anmerkung:

Der jeweilige Ausgangspunkt in der Ahnenfolge der Familien und Familiennamen Blauensteiner, Dočkal und Gabler basiert auf unehelich geborenen Kindern.
Unbekannte Väter bedeuten für einen Familienforscher einen Ahnenschwund, 75 Vorfahren in 8 Generationen sind – ausgehend von mir – im wahrsten Sinne des Wortes ‚entschwunden‘.
Bleibt zu hoffen, dass durch DNA-Genealogie sich eines Tages der eine oder andere, vielleicht sogar alle unbekannten Väter erforschen lassen.

Ahnenschwund:
*) Dočkal: 46 Vorfahren (in 8 Generationen)

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Ingrid Schuster

Im Dezember 2011 habe ich begonnen, meine Familiengeschichte zu erforschen, meine Forschungsergebnisse habe ich seit Anfang 2017 im Internet publiziert.

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