30. April 2026

Sagmühle, Schandachen 21

Bis ins beginnende 18. Jahrhundert war die Sagmühle neben dem grossen herrschaftl: Teücht in Schandachen eine sogenannte Bestands- bzw. Untertanenmühle der Grundherrschaft Weißenbach.

Im Jahr 1737 kaufte Märtin Abell (Martin Appel) diese Mühle und wurde als erster Besitzer im Grundbuch 1716 – 1821 eingetragen:

Märtin Abell hat am Georgi Tag 1737 (23.4.) die geweste herrschaftl(iche) Mühl und Saag als eine leere Brandstatt, von der Herrschaft käuflich übernohmen. Wovon er Müller Abell alljährlichen am Tag (Michaeli) von deren in genuss habenden Grundstücken bei der Mühl zum herrschaftlichen Grundbuch Weissenbach acht und vierzig Pfennig sage 12 Xr abzureichen habe, sage 48 Pf.1

Grundbesitzer dieser Mühle im Überblick:
…. – 1737Hft. Weißenbach, Bestandsmühle
1737 – 1749Abell Märtin und Rosina geb. Steiner (durch Kauf)
1749 – 1756Freÿtag Leopold und Rosina verw. Appel (durch Heirat)
1756 – 1773Rosina Freytag, Witwe (nicht im Grundbuch)
1773 – 1811Freÿtag Joseph und Anna Maria geb. Kollmann (durch Kauf)
1811 – 1812Freitag Wenzel l.St. (durch Kauf)
1812 – 1849Freitag Wenzel und Theresia geb. Appel (durch Heirat)
1849 – 1858Freitag Kilian l.St. (durch Kauf)
1858 – 1891Freitag Kilian und Antonia geb. Biedermann (durch Kauf und Heirat)
1891 – 1910Freitag Antonia, Witwe (durch Einantwortung)
1910 – 1950Graf Franz von Seilern, in Folge Familie von Seilern (durch Kauf)
1950 – 1956Gabler Johann (durch Kauf)
1956 – 1967Gabler Johann und Thekla (durch KG Urteil)
1967 – 1985Gabler Johann (durch Einantwortung)
1985 – ….Gabler Stefan (durch Einantwortung)
Quellen NÖLA und BG Gmünd:
NÖLA, HS Litschau BG Litschau 2/47 1716 – 1821 Grundbuch Nr. 4 über das eingetauschte Dorf Schandachen, Nr. 21, fol. 16
NÖLA, HS Weißenbach Maria-Theresianische Fassion MThF 0873, keine Folio angegeben
NÖLA, HS Litschau BG Litschau 2/7 1822 – 1882 Häusergrundbuch, fol. 781; Nr. 21 (altes GB fol. 16); EZ 21
BG Gmünd, Grundbuch Schandachen, 1882 – 1990, fol. 177; EZ 21, KG Schandachen, GB Litschau 
Anm.: Namensschreibweisen lt. Grundbücher, Familienname der Ehefrau kursiv, da nicht im GB angeführt
Grundbuch von 1716 – 1821

1788 / N (Hausnr.) 21

Grundbesitzer im Grundbuch von 1716 – 1821
Abell Märtin und Rosina geb. Steiner

Martin Appel (Märtin Abell), geboren am 29. Oktober 17152, ein Müllerssohn von Griesbach 1, heiratete Rosina Steiner von Schandachen am 21. Juli 1737 in der Pfarre Litschau.3

Martin Apel scheint auch in der Theresianischen Fassion von 1751 auf:

Herrschaft Weissenbach, und zwar in dem Dorf Schandachen, Grundbuch Fol. 57, Martin ApelHaus-GewerbMülnner.
Das Haus neben den grossen herrschaftl: Teücht und die dazugehörigen Äcker, sowie die Mühle mit 1 Gang (Wasser) und Saag 1 Stück wurden auf einen Wert von 109 Gulden, 30 Kreuzer geschätzt.4

  • Tochter Katharina heiratete Josef Gabler, Mühlenbesitzer in Türnau 18, am 18. Jänner 1771.

Martin Appel, molitor ex Schandachen, starb mit nur 33 Jahren am 05. August 1749.5

Freÿtag Leopold und Rosina verw. Appel

Seine Witwe Rosina Appel heiratete Leopold Freytag, ein Müllerssohn von Griesbach 12, am 28. Oktober 1749 in der Pfarre Litschau.6 Die Braut brachte ihre eigentuml: Müll in die Ehe, der Bräutigam 1 paar Ochsen, einen Eysen beschlagenen Wagen samt Pflug7, im Übernahmeprotokoll vom 2. Oktober 1749 wurde die Mühle auf einen Wert von 300 Gulden geschätzt.8

  • Sohn Paul kaufte die Mühle in Romau 23 von seinem Schwiegervater Johann Freitag am 21. Jänner 1792.

Leopold Freytag, molitor ex Schandachen, starb 32jährig am 06. April 1756.9

Rosina Freytag, Witwe

Die Witwe Rosina Freytag heiratete Mathias Pirnzaim, ein Müllerssohn von Groß Radischen, am 22. Juni 1756 in der Pfarre Litschau. Die Witwe Rosina Freytag brachte die Mühle in Schandachen nicht in die Ehe.10

Freÿtag Joseph und Anna Maria geb. Kollmann

Rosinas Sohn aus zweiter Ehe Joseph Freÿtag, geboren am 14. März 175111, heiratete Anna Maria Kollmann am 22. Juni 1773 in der Pfarre Neubistritz.12
Am 29. Mai 1773 übergab die verwittibte Rosina Freÿtagin ihre eigenthuml: Mühl und Behausung ihrem Sohn Joseph Freÿtag und seiner Frau Anna Maria um 800 Gulden.13

Josef Freÿtag, Ausnehmer und Müllermeister auf der Sägmühle bei Schandachen, starb am 13. Jänner 1828 an Lungensucht.14

Freitag Wenzel, l.St.

Bereits am 11. November 1810 wurde ein Mühlkaufskontract zwischen dem Josef Freytag, Besitzer der Mühle Nro. 21 im Dorf Schandachen und Wenzel Freytag, ledig Stands geschlossen. Josef Freytag verkaufte und übergab seine Mahlmühle mit 1 Gang um die Kaufsumme von 1.000 Gulden.15

Wenzel Freytag war der Neffe von Josef Freytag. Er wurde am 23. September 1791 in Romau 23 geboren16, seine Eltern Paul und Anna Maria Freytag waren Besitzer der Mühle in Romau 23.

Freitag Wenzel und Theresia geb. Appel

Wenzel Freitag und Theresia Appel, eine Müllerstochter von Griesbach 1, heirateten am 26. Mai 1812 in der Pfarre Haugschlag.17

Grundbuch von 1822 – 1882

Haus Nro. 21 Fol. 781 (altes Grundbuch Fol. 16)
Halblehenhaus

mit dazugehörigen Acker, Wiesen, Hutweiden, Wald
Dient jährlich zu Michaeli ……….. 12 xr
Rob ……………………………….… 22 FL 78 xr

..………………….. Summa 23 FL

abgeschlossen am 14. Juli 1880, EZ 21

Grundbesitzer im Grundbuch von 1822 – 1882

Übertrag aus altem Grundbuch

Freitag Wenzel und Theresia geb. Appel
  • Tochter Franziska heiratete Anton Gabler, Mühlenbesitzer in Türnau 18, am 14. Februar 1843 
Franziszeischer Kataster 1817 – 1824, VOMB, 613 Schandachen

Parzellennr.: 23 Familienname, Vorname: Freytag Wenzel, Beruf: Müller, Hausnr.: 21

Quelle: NÖLA, Franziszeischer Kataster, Mappen, FK Mappen OM 613
Freitag Kilian, l.St.

Sohn Kilian wurde am 30. Juni 1825 in Schandachen geboren.18

Am 19. Februar 1849 kaufte Kilian Freitag, ledig Stands, von seinem Vater Wenzel Freitag die Mühle in Schandachen 21 um 2.600 Gulden.

Wenzel Freitag, Müllermeister, starb an der Lungensucht am 21. Jänner 1858 in Schandachen 21.19 Die verwitwete Theresia Freitag 72jährig an Altersschwäche am 01. April 1866.20

Freitag Kilian und Antonia geb. Biedermann

Kilian Freitag und Antonia Biedermann von Illmanns heirateten am 10. November 1857 in der Pfarre Haugschlag.21

Aufgrund des Ehevertrages vom 17. Oktober 1857 wurde das Eigentumsrecht je zur Hälfte Kilian und Antonia Freitag einverleibt, angemerkt am 22. März 1858, Zl 582.

Grundbesitzer im Grundbuch von 1882 – 1990

altes Grdb. II, fol. 781
EZ 21
KG Schandachen, GB Litschau
Haus No. 21
Mühle
Parzellen Acker, Wiese, Wald und Teich

Grundbesitzer im Grundbuch von 1882 – 1990

Übertrag aus altem Grundbuch

Freitag Kilian und Antonia geb. Biedermann

Kilian Freitag, Mühlermeister in Schandachen 21, starb am 23. April 1891 an einem Lungenödem.22

Freitag Antonia, Witwe

Aufgrund der Einantwortung vom 14. Dezember 1891, Zl. 3566 wurde das alleinige Eigentumsrecht seiner Witwe Antonia Freitag einverleibt, angemerkt am 20. Februar 1892, Zl 471.

Antonia Freitag, Witwe nach Kilian Freitag Müllermeister in Schandachen, starb mit 71 Jahren am 19. Dezember 1904 in Reitzenschlag.23

Graf Franz von Seilern

Bereits am 28. Agust 1901 verkaufte die Witwe Antonia Freitag die Mühlenrealität an Graf Franz von Seilern, ihm wurde aufgrund des Kaufvertrages das Eigentumsrecht einverleibt und im Grundbuch am 03. Oktober 1901, Zl. 342 angemerkt.

in Folge Familie von Seilern
Gabler Johann

Johann Gabler, geboren am 14. Mai 1898 in Saaß und Thekla Appel, geboren am 04. September 1899 ebenfalls in Saaß, heirateten am 09. Mai 1931 in der Pfarre Litschau.24 Sohn Stefan wurde am 11. Juli 1931 geboren.

Aufgrund des Kaufvertrags vom 09. bzw. 27. März 1950 wurde das Eigentumsrecht an der Mühlenrealität Johann Gabler einverleibt, angemerkt am 31. Oktober 1950, Zl 456.

Gabler Johann und Thekla

Aufgrund des Urteils des Kreisgerichtes Krems vom 02. Juni 1956 wurde Thekla Gabler die Hälfte des Eigentumsrechts einverleibt, angemerkt am 21. Jänner 1957, Zl 45.

Thekla Gabler verstarb 1967.

Gabler Johann, Witwer

Aufgrund der Einantwortung vom 28. Juli 1967 wurde das alleinige Eigentumsrecht dem Witwer Johann Gabler einverleibt, angemerkt am 05. November 1967, Zl 1289.

Johann Gabler starb im Alter von 86 Jahren am 10. Jänner 1985 in Waidhofen an der Thaya.

Gabler Stefan

Aufgrund der Einantwortung vom 13. August 1985 wurde Stefan Gaber das Eigentumsrecht einverleibt, angemerkt am 02. April 1987, Zl 273.

Dankenswerterweise zur Verfügung gestellt
von Matthias Schuh Parte- und Andenkenzettel

Stefan Gabler sen. starb 90jährig am 05. Oktober 2021, er überlebte seinen Sohn Stefan, Sägewerkbesitzer, um 23 Jahre.

Wasserbuch Auszug:25

2001: Unterhalb des Sagteiches (Postzahl GD-298) liegt der Stauteich, auch Fischteich, für die Wasserkraftanlage. Im Turbinenhaus besteht eine 4-düsige Ossberger-Turbine, Nutzhöhe 3,89 m, Leistung 19,1 – 2,7 PS, Wassermenge 460 – 74 l/s. Je nach Bedarf wird ein größerer oder kleinerer Generator angetrieben, hier erfolgt die elektrische Kraftübertragung auf das Sägewerk bzw. die Versorgung des elektrischen Lichtbedarfes im Wohngebäude. Das Turbinenabwasser gelangt in den Altbach. Nutzgefälle: 4,07 m.

2014: Teilerlöschen mit folgenden Vorkehrungen: 1. Der Einlauf in die ehemalige Triebwasserleitung ist oberwasserseitig flüssigkeitsdicht, druckfest und dauerhaft zu verschließen. 2. Im Turbinenhaus ist der Unterwasserkanal entweder tragsicher und dauerhaft zu überdecken oder mit Schottermaterial bzw. Erdmaterial bis auf Höhe der Fußbodenoberkante aufzufüllen.

Quellen:
  1. NÖLA, HS Litschau BG Litschau 2/47 1716 – 1821 Grundbuch Nr. 4 über das eingetauschte Dorf Schandachen, fol. 16 ↩︎
  2. DASP, Litschau, Taufbuch 01/02, 1672-1724, fol. 257 ↩︎
  3. DASP, Litschau, Trauungsbuch 02/02, 1689-1769, fol. 187 ↩︎
  4. NÖLA, HS Weißenbach Maria-Theresianische Fassion MThF 0873, keine Folio angegeben ↩︎
  5. DASP, Litschau, Sterbebuch 03/02, 1708-1780, fol. 152 ↩︎
  6. DASP, Litschau, Trauungsbuch 02/02, 1689-1769, fol. 241 ↩︎
  7. NÖLA, HS Litschau BG Litschau 1/31, Heirats- u. Kaufprotokoll d. Hft. Weissenbach, 1741 – 1771, fol. 41 ↩︎
  8. NÖLA, HS Litschau BG Litschau 1/31, Heirats- u. Kaufprotokoll d. Hft. Weissenbach, 1741 – 1771, fol. 42v ↩︎
  9. DASP, Litschau, Sterbebuch 03/02, 1708-1780, fol. 167 ↩︎
  10. NÖLA, HS Litschau BG Litschau 1/31, Heirats- u. Kaufprotokoll d. Hft. Weissenbach, 1741 – 1771, fol. 60 ↩︎
  11. DASP, Litschau, Taufbuch 01/03, 1725-1783, fol. 94 ↩︎
  12. Jindřichův Hradec, Nová Bystřice, T 21, 1771–1784, fol. 35 ↩︎
  13. NÖLA Hft. Litschau, BG Litschau 2/49, 1758 – 1787, fol. 14v ↩︎
  14. DASP, Litschau, Sterbebuch 03/02a, 1797-1833, fol. 137 ↩︎
  15. NÖLA, HS Litschau BG Litschau 2/31, Kaufprotokolle, 1799 – 1823, fol. 246 ↩︎
  16. Jindřichův Hradec, Nová Bystřice, G 9, 1790–1814, fol. 443 ↩︎
  17. DASP, Haugschlag, Trauungsbuch 02/01, 1783-1827, fol. 20 ↩︎
  18. DASP, Litschau, Taufbuch 01/06, 1809-1827, fol. 220 ↩︎
  19. DASP, Litschau, Sterbebuch 02/07, 1855-1872, fol. 33 ↩︎
  20. DASP, Litschau, Sterbebuch 02/07, 1855-1872, fol. 113 ↩︎
  21. DASP, Haugschlag, Trauungsbuch 02/02, 1827-1867, fol. 150 ↩︎
  22. DASP, Litschau, Sterbebuch 02/08, 1872-1892, fol. 201 ↩︎
  23. DASP, Litschau, Sterbebuch 03/09, 1893-1926, fol. 174  ↩︎
  24. DASP, Litschau, Trauungsbuch 02/09, 1926-1938, fol. 53  ↩︎
  25. https://atlas.noe.gv.at/atlas/portal/noe-atlas/map/Wasser/Wasserrecht ↩︎

Beitragsbild:
Ausschnitt aus: Österreich unter der Enns (1773–1781) – Josephinische Landesaufnahme

Hinweis:

Ich bitte um Verständnis, dass die Daten trotz größter Sorgfalt Fehler enthalten können. Ergänzungen bzw. Berichtigungen senden Sie bitte sehr gerne an mich: pipsi1206@gmail.com
Bei der Weiterverwendung meiner Daten ersuche ich höflichst um Nennung der Quelle.

Ingrid Schuster

Im Dezember 2011 habe ich begonnen, meine Familiengeschichte zu erforschen, meine Forschungsergebnisse habe ich seit Anfang 2017 im Internet publiziert.

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